Anmeldung  

   

thumb 113 21

   

   

Logo Huawei RGB hoch pos1

Bereits Anfang des Jahres hat Huawei eine technische Kooperation mit der deutschen Kamera-Edelschmiede Leica im hessischen Wetzlar verkündet. Nun, mit dem Nachfolger des sehr erfolgreichen Huawei P8, dem im April vorgestelltem Huawei P9 als Flaggschiff der sogenannten Design-Serie, erscheint das erste Smartphone mit einer Kamera, die im Wesentlichen von Leica mitentwickelt wurde. Im Gesamtpaket dabei ist der charismatische Star-Fotograf und Leica-Ambassador Paul Ripke, der sowohl der internationalen Premiere in London wie der nationalen Premiere in Düsseldorf aktiv beiwohnte.

 

DSC03203b

Paul Ripke beim Düsseldorfer Huawei P9 Event

Das Huawei P9 kommt im Mainstream-Formfaktor mit 5,2 Zoll Full-HD-Display, brandneuem HiSilicon Kirin 955 Octa-Core SoC mit Mali-T880MP4-GPU, 32 GB Speicher RAM und 3 GB Arbeitsspeicher. Das Ram ist per Mikro-SD um bis zu 128 GB erweiterbar. Installiert ist das aktuelle Android 6.0 Marshmallow mit der neuen EMUI 4.1 GUI. Der Newcomer ist also weit mehr als eine Leica-Kamera zum Telefonieren. Beim UVP geht Huawei einen für den Verbraucher erfreulichen Schritt zurück und setzt diesen mit 569 Euro an. Verglichen mit den beiden Hauptkonkurrenten Samsung S7 für 699 Euro UVP und iPhone 6s für 744,95 Euro ist das eine Stange eingespartes Geld. Wirkt sich das auf die Qualität aus? Wir haben uns das Gesamtkonzept in unserem Test kritisch angeschaut. 

 

 Foto: Huawei-Info


Unboxing

Wie immer packen wir das Gerät zunächst aus und gehen auf die äußeren Details ein.

DSC03206

Waren die letzten Flaggschiffe von Huawei noch mit schwarzem Karton umhüllt, ziert nun, wohl als Homage an Leica, ein blütenweißer Karton das Huawei P9. Der ist aber ebenso hochwertig gehalten, wie wir es zuletzt vom Hersteller gewohnt waren, statt Pappe fasst sich der Karton lederartig genarbt an.

 

DSC03208

Unter dem Deckel glänzt uns direkt der Star der Verpackung, das Huawei P9 an, ansprechend in einem Zwischendeckel präsentiert.

DSC03211

Darunter verbirgt sich verschämt das Zubehör. Hat uns Huawei beim Mate S noch mit einigen kleinen, aber feinen Goodies verwöhnt, finden wir beim P9 lediglich Standardkost:
- Das übliche Headset, in der Qualität nicht übel, mehr aber nicht
- ein Ladekabel mit - das ist neu - USB-C Stecker, bei dem es egal ist, wie herum man
  ihn ins Gerät steckt
- und das 2Ah Ladegerät.
Obwohl das P9 Kirin Quick-Charge kann, ist das beigelegte Exemplar lediglich Standard. Das ist umso ärgerlicher, als das Huawei Schnellladegerät in Deutschland nicht einzeln verfügbar ist.

DSC03214

Schauen wir uns das Gerät selbst näher an:
Insgesamt ist das Design sehr an das des Huawei P8 angelehnt, dennoch wurden entscheidende Dinge verbessert.

Geblieben ist die Display-Diagonale von 5,2 Zoll, ebenso die Auflösung von Full-HD 1080 x 1920. Zum Einsatz kommt ein NEO-IPS-Display, welches eine erstaunliche Helligkeit erreicht. Über dem Display sorgt Gorilla Glas 4 ™ im 2.5D-Format für Schutz, die Ränder fallen am Rand sanft in einer Rundung ab. Zurück ist der Huawei-Schriftzug auf der Front, der aber gleichzeitig die beliebte TouchPlus-Folie verhindern dürfte. Huawei führt mit dem P9 die wasserabweisende P2i-Nanobeschchtung ein, eine Weiterentwicklung der Nanobeschichtungen des P8, Mate S und Mate 8.

 

DSC03216

DSC03218

Die Rückseite ist ungleich interessanter. Oben ist die Doppellinsen Leica-Kamera mit zweifarbigem Blitz und Laser-Autofokus unter schickem schwarzem Glas verpackt. Dann folgt der Fingerabdrucksensor in der Version 3.0. Zu erkennen sind wieder die Kunststoff-Inlets oben und unten, die bei dem Alu-Unibody physikalisch zum Empfang von Nöten sind. Beim Huawei P9 sind gleich drei Antennen verbaut. Wir gehen in den entsprechenden Kapiteln ausführlich auf die jeweilige Technik und deren Ergebnis ein. Die silbergraue Variante des Gerätes hat je nach Lichteinfluss einen leichten Kupferschimmer.

DSC03220

Die linke Seite ziert die perfekt eingepasste Schublade für die Sim- und SD-Karte. Es ist erstaunlich, dass Huawei die Verarbeitungsqualität des schon phantastischen Mate S beim Huawei P9 noch etwas steigern konnte. Zur perfekten Anfassqualität tragen die abgerundeten Kanten bei. Das 145 x 70,9 x 6,95 mm große und 144 Gramm leichte P9 schmiegt sich betörend ergonomisch in die Hand.

DSC03222

Auf der rechten Seite finden sich die Lautstärkewippe und der eingelassene, geriffelte Power-Knopf. Der Druckpunkt beider Bedienelemente ist schlicht überragend.

DSC03224

Oben gibt es bis auf die sexy Gehäuserundung lediglich noch das zweite Mikrofon, welches u.a. für die Störgeräuschunterdrückung verantwortlich zeichnet. Da fehlt doch die Klinkenbuchse für das Headset? Nein, Huawei hat nichts vergessen...

DSC03226

... der Anschluss findet sich ganz Apple-like unten links wieder. Dort findet das Hauptmikro seinen Platz, der USB-C-Anschluss, welcher aber sehr altbacken noch in der Version 2.0 daherkommt und der Mono-Lautsprecher seinen Platz. Der kann jetzt nicht mehr mit einer Stereo-Ausführung verwechselt werden und tönt laut, klar und natürlich ohne Bässe im eigentlichen Sinn des Wortes.

DSC03228

Ja, doch, es gibt sie, die Notifications-LED. Sie sitzt wie beim Konzernbruder Honor 7 unter der Lautsprecherabdeckung, ist aber viel besser erkennbar, weil größer und nicht versenkt. Diese Lösung bringt zudem den unkomplizierten Umgang mit einem Flip-Cover mit sich, welches dafür keine extra-Ausparrung benötigt.

 

 


Innere Werte, Daten und Leistung

 huawei hisilicon kirin 955 soc 1

Huawei nimmt die brandneue SoC Kirin 955 aus dem hauseigenen HiSilicon-Regal. Es handelt sich um eine ARM-basierte 64-Bit Octa-Core Einheit der High-End-Klasse. Acht CPU-Kerne arbeiten im bigLITTLE-Betrieb mit vier Cortex-A-72 Cores, die mit 2,5 GHz takten. Den stromsparenden Betrieb übernehmen vier weitere Cortex-A53 Kerne mit einer Taktrate von 1,8 GHz. Der Cortex-A72 erreicht eine etwa 15 Prozent höhere Leistung pro MHz als das bisherige ARM-Flaggschiff A57, welches z.B. im Samsung Exynos 7420 und dem Snapdragon 810 eingesetzt wird. Der Speicher wird mit einem Dual-Channel LPDDR4-Controller angebunden. An Arbeitsspeicher stehen dem europäischen Modell 3 GB zur Verfügung, 32 GB RAM sind serienmäßig an Board. Der SD-Kartenslot ist mit bis zu 128 GB spezifiziert. 

Die Grafikeinheit ist mit der ARM Mali-T880 zwar prominent besetzt, es kommt aber lediglich die Version MP-4 mit vier Clustern zum Einsatz. Sie beherrscht u.a. OpenGL ES 3.1, OpenCL 1.2 und DirectX 11.2.

Die reine CPU-Leistung ist enorm, die Grafikleistung hinkt SoCs mit Mali-T880 MP12 wie dem Samsung Exynos 8890 aber hinterher. In der Gesamtheit erbringt das im AnTuTu-Benchmark dann folgendes Ergebnis:

 

 Screenshot 2016 04 22 07 43 06

Das ist der in der aktuellen Boliden-Gruppe übliche bombastische Spitzenwert, lediglich leicht limitiert durch die schon angesprochene Mali-T880MP4. In der Praxis sagt ein Benchmark-Wert nicht viel aus. Das Huawei P9 rennt wunderbar smooth durch die GUI ohne sichtbare Ruckler oder Verzögerungen. Alle getesteten Apps brachten das Device nicht in die Nähe irgendwelcher Performance-Grenzen. Hier zahlt sich die vom Hersteller gewohnte perfekte Anpassung der SoC an die EMUI-Oberfläche und das OS aus. Die Grafikeinheit profitiert von der Full-HD-Auflösung und lässt bei allen probierten aktuellen Android-Spielen keine Wünsche an die Performance offen.

Die drahtlose Connectivität ist dank integriertem LTE Cat 6-Modem mit Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 300 Mbit/s auf dem aktuellsten Stand der Technik. Selbstverständlich werden alle in Deutschland verfügbaren LTE-Bänder unterstützt. Bei WLAN ist erfreulicherweise mit WiFi 2,4GHz, 5GHz a/b/g/n/ac mit WLAN-Dierekt und NFC ebenfalls alles verfügbar, was den Empfang stabil und schnell macht. Erstmals hat Huawei beim P9 gleich drei Antennen verbaut, Link+ erkennt beim mobilen Empfang eigenständig wie es vom Nutzer gehalten wird und optimiert den Empfang über die jeweils freie Antenne eigenständig. Wird WLAN in Gebäuden schwach und steht dagegen eine gute Datenleitung zur Verfügung, wird auf Wunsch automatisch darauf umgeschaltet. Zudem merkt sich das P9 WLAN-Empfangseigenschaften und schaltet in der Folge automatisch um. Insgesamt funktioniert das hervorragend. Wir können dem P9 herausragende Empfangsleistungen bei WLAN und Datenempfang attestieren. LTE wird schnell empfangen und wie alle anderen Datenmodi lange aufrecht erhalten. Bluetooth steht da mit der Version 4.2 und BLE nicht zurück. Wohl aber der USB-Anschluss, der noch mit dem antiquierten 2.0-Protokoll daher kriecht. Immerhin ist nun ein USB-C Anschluss verbaut. Eine Möglichkeit, den 3000mAH-Akku drahtlos per QI zu laden sucht der Käufer vergeblich, das sollte bei einem Flaggschiff-Smartphone heute zur Standardausrüstung gehören.

uploadfromtaptalk1461425674509

Obwohl Huawei es in den Spezifikationen des P9 nirgendwo angibt, beherrscht das Gerät FastCharge, ein geeignetes Netzteil vorausgesetzt. Unsere Versuche haben wir mit dem Netzteil des Huawei Mate 8 gemacht. Ein FastCharge-Netzteil wird separat aktuell in Europa von Huawei nicht angeboten. Ärgerlich.

20150930212957ENPRN271990 P2i Logo 1y 1443648597MR

Das Huawei P9 ist vom Hersteller nicht als wasserdicht angegeben, hat entsprechend keine IP-Zertifizierung. Ganz schutzlos ist der Nutzer dem flüssigen Element aber nicht ausgeliefert, wie schon die bisherigen Flagships der Gerätegattungen ist das P9 mit einer speziellen Nano-Beschichtung gegen Flüssigkleiten geschützt.

Gary Huang, Chief Commercial Officer bei P2i, sagt dazu:

"Wir freuen uns darüber, mit Huawei an diesem neuen Gerät zusammenarbeiten zu können und unsere erstklassige Nano-Beschichtung bereitzustellen, die deren Smartphones vor Flüssigkeiten schützt, wodurch die Zuverlässigkeit und die Haltbarkeit von P9s verbessert wird. Wir haben Huaweis Flagschiff-Geräte, das P8 und Mate S, mit unserer innovativen flüssigkeitsabweisenden Technologie überzogen und wir freuen uns darauf, unsere Partnerschaft auch zukünftig fortzusetzen."

Einige User berichten in den Foren über eine gewisse Kratzempfindlichkeit des Displays. Wir können dies trotz ungeschütztem Betrieb des Huawei P9 sowie des Huawei Mate S mit ähnlichen Spezifikationen (Gorillaglas™ 4 und P2i-Beschichtung) so nicht bestätigen. Das Glas des Testgerätes erscheint immer noch makellos.

Das Display arbeitet nach dem In-Plane-Switching (IPS)-Prinzip, bei der die Elektroden nebeneinander in einer Ebene parallel zur Display-Oberfläche angeordnet sind. Liegt Spannung an, drehen sich die Moleküle in der Bildschirmebene und vermeiden die für z.B. TN-Displays typische Schraubenform und damit weitgehend eine Blickwinkelabhängigkeit. Wie bei Spitzenphones üblich, ist das Panel direkt mit dem Glas verbunden (IPS-NEO), was eine kompakte Bauform ermöglicht. IPS-Panel arbeiten passiv und werden von den Seiten über Lichtleiter über LEDs mit Helligkeit versorgt. Die hohe Güte und das IPS-Prinzip ermöglichen mit 0,202 cd/m2 dennoch ein tiefes Schwarz. Die Auflösung beträgt 1080 x 1920 Pixel, also Full-HD. Für ein 5,2 Zoll-Display ist das mehr als genug. Allerdings kommen vermehrt Virtual-Reality-Brillen auf den Markt. Dann fehlt es dem P9 doch sichtbar an Auflösung. Wir haben es uns nicht nehmen lassen und einige Display-Parameter mit Burosch-Testbildern und dem Eye One Pro Spektroradiometer von Xrite nachgemessen. Die maximale Helligkeit von 798 cd/m2 (!)  ermöglicht selbst im Freien bei hellem Sonnenlicht noch die Ablesbarkeit. Dazu überzeugt ein für ein Smartphone-Display sehr hoher Kontrastwert von 1533 : 1. Der D65 Farbpunkt wird mit 6598 Kelvin fast auf den Punkt getroffen, als absolut farbneutral gelten 6503 Kelvin.

Screenshot 2016 05 11 16 47 11

Die Farbtemperatur lässt sich in den Einstellungen zudem nach drei vorgegebenen Parametern oder manuell ändern.

DSC03204

Der Fingerprint-Sensor heimste von der ersten Version im Mate 7 bis hin zu der Version Level 3 im Mate S und Mate 8 bereits hohes Lob ein. Im Huawei P9 kommt nun das Level 4 zum Zug, welches neben der Flächenerkennung nun zudem in die Tiefe geht. Wie schon vom Hersteller gewohnt, funktioniert der Scanner beim Entsperren sehr zuverlässig und bltzschnell, holt das P9 sogar direkt ohne Umwege aus dem Standby.

Screenshot 2016 05 11 16 56 16

Wie schon mit dem Mate S eingeführt und mittlerweile beim Mate 8 nachgereicht, dient der Fingerabdruckscanner nicht nur zum Entsperren aus dem Standby, sondern ebenfalls wie eine Art kleines Touchpad. So können verschiedene Funktionen damit ausgeführt werden, bis hin zu Wischgesten im Foto-Album oder für die Notification-Bar.

Die Front-Kamera darf auf satte 8MP zurückgreifen, scharfen Selfies dürfte also nichts im Wege stehen. Zudem steht mit "Groufie" eine Art Selfie-Panorama zur Verfügung. Die Blende ist mit f2,4 lichtfreundlich. Der Leica-Hauptkamera widmen wir uns ausführlich im Kamera-Kapitel.

tdp9

Als Betriebssystem kommt, wie es sich für ein neues Android-Phone gehört, die aktuelle Marshmallow-Version 6.0 zum Einsatz. Der Hersteller-eigene GUI-Aufsatz EMUI ist dagegen erstmals in der Version 4.1 installiert.

Screenshot 2016 05 10 17 36 21

 


Die tägliche Praxis

Das Huawei P9 ähnelt optisch seinem Vorgänger, dem Huawei P8. Das war schon ein echter Handschmeichler, aber nichts im Vergleich zum P9. Durch das abgerundete Frontglas, den sanften Kurven an den Rändern, den glänzenden 60 Grad-Schleifkanten  und der smarten, geraden Rückseite schmeichelt sich das Smartphone unglaublich in die Hand, selbst wenn Fingerabrücke etwas schneller haften bleiben als beim Mate S oder Mate 8. Zudem ist es recht leicht. Kurzum hat der Umgang mit dem Gerät geradezu etwas erotisches. Alle Tasten funktionieren mit beeindruckend definiertem Druckpunkt.

Mit der Huawei-Benutzeroberfläche EMUI haben wir uns in vorhergegangenen Tests zur Genüge beschäftigt und verweisen für die Grundfunktionen darauf. In diesem Test legen wir den Schwerpunkt auf die Veränderungen, die die GUI mit der Version 4.1 erfahren hat. Eines trotzdem vorweg: ja, der App-Drawer fehlt nach wie vor bei EMUI. Immer wieder können wir in den Foren über Huawei-Neu-User lesen, die sich gerade daran stören. Dabei ist die fehlende Unterebene als App-Schublade für mich ein großer Vorteil. Wozu die Apps doppelt ablegen? Einmal in einer nur über einen Zwischenschritt zu erreichenden Unterebene und dann nochmal extra über eine anzulegende Verknüpfung auf dem Homescreen? Zudem erlaubt Huawei direkt auf der Oberfläche eine weitreichende Konfiguration und das Löschen der Apps. Es gibt für Drawer-Fanatiker aber nach wie vor die Möglichkeit, Apps in einem Unterverzeichnis abzulegen und somit vom Homescreen zu verbannen: Dazu einfach zwei Finger auf dem Homescreen spreizen. Reicht das nicht, lässt sich ein alternativer Launcher wie Nova installieren. Aber, liebe Huawei-Newbies: probiert doch EMUI erstmal eine Weile aus!

Android 6.0 liefert Funktionen nach, die bei EMUI schon länger implementiert waren. So ist die Rechteverwaltung nun sehr ähnlich und der Akku bekommt mit dem Doze-Modus eine Sparfunktion hinzu, die sich bei den ersten Huawei Marshmallow-Updates als Stolperstein bei den Benachrichtigungen erwies. Wir gehen im nachfolgenden Kapitel ausführlich darauf ein. Nach wie vor lassen sich alle Berechtigungen, die sich die Apps beim Installieren genehmigen, auf Wunsch einzeln fein säuberlich wieder zurücknehmen. Huawei hat sich nun daran gemacht, EMUI an Android 6.0 anzupassen. Das führt zu zwar logischen, aber manchmal etwas verstreuten Verknüpfungen, die vor allem für geübte EMUI-Hasen ungewohnt sind.

Screenshot 2016 05 14 13 24 19

Die Einstellungen wurden deutlich entschlackt, was einerseits zu mehr Übersichtlichkeit auf den ersten Blick, andererseits zu vermehrten Suchaktionen führt.

 

 Screenshot 2016 05 14 13 27 25

Einfach ist noch das Erreichen der erweiterten Einstellungen, die im Design dann aber schon von den ursprünglichen Einstellungen abweichen. Schlimmer wiegt die Tatsache, dass einige App-Einstellungen sowohl über die separate Telefonmanager-App wie auch als erweiterte Funktion bei den App-Einstellungen selbst zu tätigen sind.

Screenshot 2016 05 14 13 51 47

Screenshot 2016 02 15 18 04 59Screenshot 2016 02 15 18 05 07

Beim Wisch von oben nach unten öffnet sich der praktische Zeitstrahl der Benachrichtigungen und rechts daneben die Vernüpfungen, die scroll- und konfigurierbar sind.

 Screenshot 2016 05 14 13 53 00Screenshot 2016 02 15 17 41 27

Der Startbildschirm selbst ist erfreulich umfangreich konfigurierbar. Neben den bei Android üblichen, in großer Anzahl vorhandenen Hintergrundgrafiken oder Animationen sind zahlreiche Widgets und Übergänge einstellbar. Mit Android 6.0 ist die Grenze der verfügbaren Homescreens auf gewaltige 18 angestiegen.

Screenshot 2016 02 15 17 41 54Screenshot 2016 02 15 17 42 07

Screenshot 2016 05 14 13 54 03Screenshot 2016 05 14 13 54 11

Interessant wird es bei den weiteren Einstellungen: Hier hat der User die Wahl der Anzahl der Icons in einer Reihe und einigen Aktionen aus bestimmten Bewegungen heraus.

Screenshot 2016 02 15 17 42 46

Ein Relikt aus der Vergangenheit haftet selbst EMUI 4.1 noch an, die Badge-Symbole - das sind die kleine Zahlen im roten Kreis an den Apps, die kundtun, wenn sich etwas getan hat - sind weiterhin lediglich auf einige Systemapps beschränkt.

Huawei lässt dem Nutzer alle Freiheiten bei den Berechtigungen und anderen App-Einstellungen, die ein Rooten des Gerätes im Grunde überflüssig machen. Ein mächtiges Tool ist dabei der Telefon-Manager. Hier sind einige, teils weit in die Android-Verwaltung reichende Konfigurationen durchzuführen. Der Pfad einiger Funktionen hat sich mit EMUI 4.1 verändert.

Screenshot 2016 05 14 13 56 21Screenshot 2016 05 14 13 56 25

So finden sich die Einstellungen zum Energiesparen jetzt unter dem Punkt Akkumanager. Wir empfehlen nach wie vor die Einstellung Leistung, die kaum mehr verbraucht als andere und volle Funktionalität garantiert. Grundsätzlich ist die Freischaltung einiger Funktionen mittels PM Plus aus dem Playstore immer noch empfehlenswert, selbst wenn sich die Freischaltung bei EMUI 4.1 auf das automatische Starten der Apps reduziert.

 

DSC03219

Der Fingerabdruck-Sensor entspricht der Version 4.0, er reagiert mit 0,5 Sekunden Reaktionszeit aus dem Standby blitzschnell und zuverlässig. Es lassen sich fünf verschiedene Abdrücke speichern. Neben der Entsperrung, die zudem aus dem Standby heraus ohne Zwischenschritt funktioniert, lassen sich einige praktische Zusatzfunktionen wie im Technik-Kapitel beschrieben ausführen. Das funktioniert nicht nur theoretisch, sondern praktisch mit verblüffender Schnelligkeit und absolut zuverlässig. Zudem sitzt der Sensor auf der Rückseite, was beim Betrieb in der Hand haptisch ungemein praktisch ist. Wenn das Gerät auf dem Tisch liegt, ist es das nicht. Nun könnte die Funktion "Double Tapp to Wake" hier Abhilfe schaffen, leider finden wir die beim Huawei P9 nicht. Es bleibt zu hoffen, dass DTTW mit einer neueren Firmware-Version nachgereicht wird, wie es schon bei anderen Huawei-Smartphones der Fall war.

Die Stagefright-Bedrohung ist bei aktuellen Huawei-Phones längst elemininiert, das neue P9 macht da keine Ausnahme.

Screenshot 2016 04 21 11 25 49

Screenshot 2016 05 14 14 02 07Screenshot 2016 05 14 14 02 11

Wie vom Hersteller gewohnt, lässt sich der Speicher des Gerätes individuell anpassen. Der generelle Speicherpfad kann auf die externe SD-Karte gelegt werden. Dazu sollte die mindestens Class 10 schnell sein. Auf die Adobtable Storage-Erweiterung des internen Speichers wie bei Vanilla-Android verzichtet Huawei wie viele andere Hersteller. Laut Auskunft von "gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen" arbeitet Huawei hier an einer eigenen Lösung.

 

Das Design der Oberfläche lässt sich durch die Design-App sehr umfangreich gestalten. Der Sperrbildschirm, die Icons, selbst einige Funktionen sind zu konfigurieren.

Screenshot 2016 02 15 17 47 08Screenshot 2016 02 15 17 47 37

Die Magazin-Sperrbildschirme sind die einzigen, in denen Push-Nachrichten von Apps erscheinen. Daneben bietet der Magazin-Sperrbildschirm Vorteile wie wechselnde Fotos und mit einem Wisch nach oben sind einige, nicht weiter konfigurierbare Apps direkt erreichbar. Der Magazin-Sperrbildschirm kann jedem Design in den Einstellungen zugeordnet werden.

Screenshot 2016 02 15 17 53 32Screenshot 2016 02 15 17 54 46

Die Benachrichtigungen kommen beim Testgerät zuverlässig an, es sind allerdings einige Einstellungen vonnöten, denen wir das nachfolgenden Kapitel gewidmet haben.

Mir einer Akkuladung kamen wir gut von einem über den anderen Tag, von früh morgens bis spät abends. Danach waren noch ca. 15-20 Prozent übrig. Grundsätzlich ist unser Nutzungsverhalten nicht mit dem anderer gleichzusetzen, von daher sind die Erfahrungen individueller Natur. Wir hatten die Einstellungen - ganz grob - auf Leistung und so, dass die Benachrichtigungen durchkamen. Die Aufladung gelingt mit dem Standard-Netzteil in circa 2-2,5 Stunden, mit dem Netzteil des Mate 8 in ungefähr einer Stunde. Uns fehlt schmerzlich die Möglichkeit, das Gerät drahtlos per QC aufzuladen, das ist bei Android-Top-Smartphones mittlerweile Standard.

Beim Display ist Full-HD bei normaler Smartphone-Nutzung völlig ausreichend. Bei normalem Betrachtungsabstand sind Beeinträchtigungen bei der Auflösung für das menschliche Auge nicht erkennbar, die Vorteile überwiegen gegenüber einer 2K oder 4K Auflösung aufgrund der geringeren SoC-Belastung und der daraus resultierenden Beeinträchtigung der Akkuleistung. Anders schaut das bei Nutzung der in den Markt drängenden VR-Brillen aus. Hier wäre eine 2K oder 4K Auflösung sehr angebracht und hier hinkt das Huawei P9 dann hinterher. Die Qualität der Darstellung ist über jeden Zweifel erhaben. Das NEO-IPS-Display überzeugt mit enorm hohem Blickwinkel, sehr natürlichen voreingestellten Farben und einer beeindruckenden Helligkeit. Die Möglichkeit der Nachjustierung wurde nochmals verbessert, ohne allerdings die Funktionalität einer echten ISF-Einstellungsmatrix zu erreichen.

Eine Sahne-Disziplin des Huawei P9 ist ohne Zweifel der Empfang. War bislang das Mate S mein Favorit bei der Empfangsleistung, stürmt nun das P9 an die Spitze der Smartphones, mit dem ich selbst auf dem Land LTE und H+ in nahezu jeder Empfangssituation bestätigen kann. Für die Zukunft ist das Gerät mit CAT 6 bestens gerüstet. Das Gerät hält den Empfang überaus lange und schaltet schnell zu nächst höheren verfügbaren Empfangsebene. Nicht viel anders ist dies beim GPS-Empfang, der blitzschnell und zuverlässig online ist. Bei Bluetooth verrichtete das P9 seine Arbeit im Testzeitraum zusammen mit der Huawei Watch, einem Garmin Navigationsgerät zusammen mit der App Smartphonelink und einer Kfz-Freisprecheinrichtung bei beeindruckend stabilen Verbindungen und sehr weitem ungestörten Empfang, der über 10 Meter hinaus geht und auch vor einer Etage nicht halt machte. Im Testlauf haben wir nicht einmal irgendeine Fehlfunktion notieren dürfen - Spitze!

Im WLAN-Netz macht Huawei endlich Nägel mit Köpfen und packt alle verfügbaren Frequenzen in das Gerät. Die werden automatisch jeweils privat im Zusammenspiel mit einer Fritz-Box 7390 und beruflich mit einer 7490 sehr zuverlässig umgeschaltet. Die WLAN+ Funktion funktioniert nicht nur im Umschaltspiel zwischen örtlichem WLAN und mobilen Daten - Achtung, hier sollte auf WLAN+ bei arg begrenztem mobilen Datenvolumen verzichtet werden! - sondern zudem im Zusammenspiel mit einigen verteilten WLAN-Repeatern. Allerdings braucht das Gerät einige Tage, um zu "lernen". Sind die entsprechenden Verhältnisse einmal gelogt, ist WLAN+ ein echter Pluspunkt.

Beim Datentransfer bleibt leider alles beim Alten. Während die Steckernorm auf das unkomplizerte USB-C geändert wurde, bleibt es bei der eigentlichen Schnittstelle beim antiquierten USB 2.0. Die Übertragung von Fotos in höherer Anzahl oder sonstiger Dateien wird so zum Geduldspiel.

 

 


Das Problem mit den Benachrichtigungen


Während einige Marshmallow-(Beta-)Updates der Huawei Schwestermodelle anfangs Probleme im Zusammenspiel mit dem bei Android 6.0 von Google neu eingeführten Doze-Modus hatten, kamen während des Testzeitraums die Benachrichtigungen beim Huawei P9 glatt durch. Allerdings hat Huawei dem User einige Hürden in den Weg gelegt. Es sind zahlreiche Einstellungen zu tätigen, damit das reibungslos klappt.

 

1. Geschützte Apps
Zunächst muss die betreffende App, sofern sie nicht zu den Systemapps gehört, geschützt werden, damit sie bei deaktiviertem Display weiterhin im Standby verharrt und die Benachrichtigungen weiterleiten kann. Ihr findet die Einstellung im Telefonmanager beim Akku-Symbol, dem Akkumanager.

 Screenshot 2016 05 13 17 23 50

Dort tippt ihr auf "Geschützte Apps"

Screenshot 2016 05 13 17 23 58

und wählt alle die Apps aus, die bei deaktiviertem Display nicht in den Tiefschlaf versetzt werden sollen. Wenn ihr unsicher seid, könnt ihr ganz oben den Schieber "Alle" aktivieren und dann in der Folge alle die Apps rausnehmen, die tatsächlich in den Tiefschlaf geschickt werden sollen.

 

2. Energieplan
Die nächste Einstellung wird ebenfalls im Telefonmanager beim Akkumanager eingestellt.

Screenshot 2016 05 13 17 23 50

Beim Energieplan ganz oben bitte "Leistung" aktivieren.


3. Internen Speicher und Backup
Desweiteren ist es wichtig, dass die App im internen Speicher installiert ist. Vor allem Whatsapp macht nicht nur in manchen Versionen Probleme, sondern auch, wenn es mittels Backup-App zurückgeflasht wird. Diese Installation sollte bei einem neuen P9 aus dem Playstore geladen werden.

 

4. Verbrauchs-Einstellungen
Und weiter geht es im Akku-Management.

Screenshot 2016 05 13 17 23 50

Auf "Verbrauch" tippen,

Screenshot 2016 05 13 17 38 40

dann auf die App, die eingestellt werden soll

Screenshot 2016 05 13 17 39 10

es reichen die oben aktivierten Einstellungen.

5. Mobile Daten
Als nächstes geht es in die Einstellungen, oben bei der Connectivity "mehr", dann "Mobilfunknetz", dort vergewissern, das "Mobile Daten immer aktiviert" angestellt ist.


6. Doze-Modus
Der Doze-Modus funktioniert beim Huawei P9 zuverlässig, muss aber justiert werden. Dazu geht ihr in den "Einstellungen" auf "Apps",

Screenshot 2016 05 13 17 51 43

dann ganz oben auf "Alle Apps".

Screenshot 2016 05 13 17 37 37

Sucht die App, die Benachrichtigungen verschicken soll

Screenshot 2016 05 13 17 37 51

dann auf "Zulassen".

7. Notification Einstellungen in der App
Einige Apps verlangen die Einstellung der Notification in den Einstellungen der App.

8. Systemstart
Wieder andere möchten gern mit Systemstart geladen werden. Dazu benötigt ihr die EMUI-Systemerweiterung PM Plus aus dem Playstore.

Runterladen, installieren, dann im Telefonmanager auf der letzten Seite "Automatischer Start der App" auswählen.

Screenshot 2016 05 13 17 59 28

Die App aktiviern, die beim Systemstart mit geladen werden soll.

 

Das wären die erforderlichen Einstellungen, die zuverlässige Push-Benachrichtigungen sicherstellen.
Wir haben Huawei schon vor einiger Zeit den Wunsch überbracht, bei diesen Einstellungen den umgekehrten Weg zu gehen und alles im Standard so auszuliefern, dass Benachrichtigungen in jedem Fall bei jeder App durchkommen. Die Apps, die der kundige User dann in den Tiefschlaf legen möchte, könnten dann von ihm deaktiviert werden.

 


Die Leica-Kamera

 

P9 camera detail

Wie bereits zu Beginn des Artikels erwähnt, hatte Huawei Anfang des Jahres die Kooperation mit dem hessischen Nobelhersteller für optische Geräte - Leica - verkündet. Das Huawei P9 ist das erste Gerät, welches die Früchte der Kooperation trägt. Wir wollen versuchen, die komplizierte Technik der Doppel-Kamera zu durchleuchten und vielleicht mit einigen Vorurteilen aufzuräumen, die schon kurz nach Erscheinen des P9 unqualifiziert viral durchs Netz schwirrten. Vor allem haben wir natürlich unseren Blick auf die Ergebnisse des technischen Aufwandes gelenkt.

Leica hat schon vor dem Deal mit Huawei bei Kompaktkameras mit einem Fernost-Hersteller kooperiert, einige Lumix-Kameras von Panasonic dürfen den Leica-Schriftzug tragen. Nun das ungleich schwerere Thema Smartphone-Kamera, welches aufgrund des arg begrenzten Platzes und den kleinen Sensoren für qualitativ hochwertige Ergebnisse ganz spezielle Anforderungen stellt. Selbst wenn auf dem P9 der Leica-Schriftzug stolz prangt, so darf man sich das jetzt nicht so vorstellen, dass in Wetzlar eifrige Mitarbeiter die Linsen für das Gerät in Handarbeit polieren. Vielmehr wird die Linseneinheit und das Kamerakonzept zusammen mit Leica konzipiert und noch wichtiger: Leica schaut auf das Endprodukt. So haben uns die öfters angeführten "gut informierten Kreise" berichtet, dass am Anfang der Linsenproduktion beim chinesischen Auftragsfertiger Sunny ungefähr 90% Ausschuss zu beklagen war. Nur die Kameramodule, welche die strengen Qualitätsanforderungen Leicas erfüllen, kommen letztlich in die Geräte.

 

 

sunny2

Das fertig vormontierte Dual-Kamera-Modul des Huawei P9

 

Beim Konzept selbst vertraut Leica auf eine asphärische Doppel-Linse ohne optischen Bildstabilisator mit der bei Smartphone-Kameras üblichen festen Blende von f2.2 und einer Brennweite von 4,5mm, was bei 35mm Kleinbildformat 27mm Weitwinkel entpricht. Das scheinen aufgrund der gewohnten Werbeprospekte desensibilisierten Wertevorstellungen zunächst einmal recht lichtschwache Voraussetzungen zu sein. Denn je größer die Blendenöffnung, desto mehr Licht kann auf die kleinen Sensoren fallen. Allerdings verschlechtert sich bei großen Blenden die Randschärfe aufgrund der stark gestiegenen Anforderungen an das Objektiv. Huawei und Leica entscheiden sich also für eine hohe Abbildungsqualität und gehen das Lowlight-Problem auf andere Weise an. Sie setzen auf gleich zwei Sensoren, einem Sony EXMOR RS IMX286 Doppelpack. 12 Megapixel drängeln sich pro Sensor, jeweils 1.25 μm × 1.25 μm groß oder klein, je nach Betrachtungsweise. Je mehr Pixel sich auf engem Raum zusammenquetschen, desto weniger Licht fällt auf jedes Einzelne, der Sensor fängt bei wenig Licht an zu rauschen. Dieses Rauschen muss die Software möglichst ausgleichen. Das gilt für jede Kamera, für jedes Smartphone. Dagegen dient eine hohe Pixelanzahl grundsätzlich einer höheren Auflösung des Fotos, wenn denn das Objektiv mitspielt. Einer der Sensoren liefert RGB-Ergebnisse, der andere bei Verzicht auf jegliche Filter ein schwarz-weiß Bild. Der Sinn dieser Konstruktion ist die per Software zusammengelegte Bilddatei aus beiden Sensoren. Das erhöht einerseits die Dynamik und andererseits die Empfindlichkeit bei Low-Light-Aufnahmen. Nach unseren Versuchen, die im Labortest des Magazins Digitalfoto im Ergebnis bestätigt wurden, arbeitet dieses Lowlight-System ab 800 ISO.

Die asphärische Linsenkonstruktion ist dafür zuständig, das Foto möglichst scharf und mit so wenig Verzerrungen wie möglich auf den Sensoren abzubilden. Digitalfoto misst im Labor gut 40 Linienpaare pro Millimeter bei 50 Prozent Kontrast im Bildzentrum und am Bildrand noch gut 25 Prozent. Das reicht für knackscharfe DIN A4-Ausdrucke und liegt laut Digitalfoto über dem Niveau der ebenfalls mit 12 MP auflösenden Kamera des iPhone 6s. Eine sehr hohe Vergütung erlaubt zudem die für Leica-Kameras typische Gegenlichtqualität ohne Flares oder sonstigen Verfälschungen. Was das Objektiv nicht schafft, wird bei Smartphones per Software korrigiert. Hier erhält das Huawei P9 den letzten Schliff in Richtung "Leica-Foto", es wurde ein hoher Aufwand in Richtung Farbneutralität betrieben. Wem die Foto-Abstimmung per Stock-App nicht gefällt, kann zudem DNG-Raws abspeichern. Dabei wird der RGB-Bildsensor nativ ausgelesen, das Foto muss dann mittels geeigneter Software wie Photoshop oder Lightroom entwickelt werden. Der Vorteil ist, dass der Fotograf dabei seine eigenen Prioritäten setzen kann.

Beim Thema Autofokus haben sich die Entwickler etwas ganz besonderes einfallen lassen. Der Laser-Autofokus ist ein LG-Patent, ursprünglich für Haushalts-Staub-Roboter von den Koreanern entwickelt. Dabei strahlt das Gerät einen konischen Laserstrahl im Infrarot-Bereich aus der neben der Kamera und unter dem LED-Blitz sitzenden Öffnung ab. Die Software errechnet den Wert der Rückreflektion des Lichtes und hat dann die Entfernung zum fokussierenden Objekt. Das funktioniert aber nur bis zu ungefähr eineinhalb Meter Abstand, dafür aber schneller als jede andere Lösung. Dann kommt der zweite schwarz-weiß-Senor zum Zuge. Auf dem hat Sony PDAF-Elemente integriert. Normal arbeitet eine Kompaktkamera und ein Smartphone mit Kontrastautofokus. Dabei wird durch Abschätzung zwischen den Fokuspunkten mittels der Sensordaten der Punkt mit dem höchsten Kontrast gesucht, die Kamera fixiert diesen als AF-Punkt. Das ist mit Smartphones problemlos möglich, da der Sensor ständig im Licht ist und nicht durch einen Spiegel wie bei einer DSLR verdeckt wird. Eine DSLR misst den AF mittels Phasen-Autofokus. Hier gleichen einzelne Sensoren die Entfernung durch zwei Messungen ab. Sony ist es beim Sensor von Wechselobjektivkameras wie der Alpha 6000 gelungen, Phasensensoren in den Sensor zu integrieren, so kommt die Alpha 6000 zu einem wesentlich schnelleren AF als mit einem konventionellen Kontrast-AF. Sony hat diese Technik auf kleinere Sensoren portiert und so profitiert nun das Huawei P9 bei Entfernungen weiter als 1,5 Meter vom wesentlich exakteren und schnelleren PDAF. Allerdings reagiert der PDAF selektiv etwas anders als ein Kontrast-AF und in Gemeinschaft mit dem Laser-AF anders als jegliche andere Autofokus-Lösung, woraus sich die spannende Frage nach dem praktischen Ergebnis ergibt.

Um die ganzen vorinstallierten PS auf die Straße zu bringen, bedarf es einer leistungsfähigen Kamera-App. Nun war die übliche EMUI-App alles andere als schlecht, mit der neuen App setzt Huawei allerdings einige gewaltige Bedienungshilfen um. Die App ist zwar bei den Bildparametern von Leica mitgestaltet worden, die GUI allerdings ist ein Huawei Produkt und wird bei immer mehr EMUI 4.1 Geräten Einzug halten. Das Ergebnis ist für mich schlicht

ü-b-e-r-r-a-g-e-n-d!!

Screenshot 2016 05 16 15 07 04Screenshot 2016 05 16 15 06 37

Die eigentliche App präsentiert sich sehr übersichtlich (rechts). Ein Wisch von links nach rechts zeigt alle verfügbaren Apps der Foto-App...

 

Screenshot 2016 05 16 15 06 46

... der Wisch von rechts nach links die Einstellmöglichkeiten. So sind die wichtigen Einstellmöglichkeiten ohne Umwege sehr schnell erreichbar. Der elektronische Entwackler lässt sich lediglich im Video-Modus abschalten.

 

Screenshot 2016 05 16 15 07 24

Genial: Durch einen leichten Wisch des unteren Balkens nach oben aktiviert sich die "Pro"-Einstellung, die manuelle Parameter freigibt. So lässt sich blitzschnell alles einstellen, was die technischen Möglichkeiten der Kamera hergeben. Ein besonderes Gimmick ist dabei der künstliche Horizont, der dabei hilft, das Smartphone gerade zu halten.

 

Screenshot 2016 05 16 16 33 12

Die Einstellmöglichkeiten (wischen von rechts nach links) unterscheiden sich von denen im Auto-Modus, so ist unter anderem die Abspeicherung einer RAW-Datei im DNG-Format möglich. Das RAW-Format wird in der Galerie aber nicht angezeigt, die Datei muss zunächst extern am PC entwickelt werden.

 

Screenshot 2016 05 16 16 37 48

Wem die - äußerst naturgetreuen! - Standard-Einstellungen nicht gefallen, kann auf "Leuchtende Farben" (das, was wir meist von Smartphone-Fotos, vor allem der Marke Samsung, gewohnt sind) und auf den etwas ausgebleicht wirkenden "Glatte Farben" justiert werden.

 

Screenshot 2016 05 16 16 38 18

Als weitere Einstellungen stehen die üblichen drei Standardregler zur Wahl. Wir empfehlen ausdrücklich die Presets.

 

 

Screenshot 2016 05 16 16 38 38

Wie schon mit dem P8 eingeführt, dafür nicht weniger lukrativ: die Lichtspielereien. Damit lassen sich ganz einfach und mit Echtzeitvorschau faszinierende Fotos kreieren. Ein Stativ ist allerdings Voraussetzung.

 

 spuren

Bestimmt hat sich der ein oder andere mal gefragt, warum bei einer Blende von F=2.2 beim Smartphone die Schärfentiefe dennoch weit ins Bild gegeben ist und nicht auf wenige Zentimeter beschränkt ist wie bei einer APS-C-DSLR oder gar einer KB-DSLR mit 35 mm Sensor. Smartphones verfügen über einen winzigen Bildsensor, der Abstand zwischen diesem und der Linse ist entsprechend gering, weil der gleiche Bildausschnitt wie beim Kleinbildfilm mit 27mm Weitwinkelobjektiv abgebildet werden soll. Diese Brennweite ist bei einem Smartphone nur ein virtueller Vergleichswert, bezogen auf eine 35mm KB-Kamera. Effektiv haben die P9-Objektive 4,5mm Brennweite.

Die Schärfentiefe ist im Gegensatz zur oben benannten Vergrößerung direkt von der physikalischen Brennweite abhängig, sie lässt sich nicht umrechnen. Selbst eine große offene Blende wie f2,2  bringt bei der extrem kurzen Brennweiten von 4,5mm kaum mehr sichtbare Unterschiede der Schärfentiefe. Ein zweiter Faktor in der Schärfentiefen-Berechnung ist der Zerstreuungskreis-Durchmesser, etwa übersetzbar mit der Pixelgrösse auf dem Sensor. Die Sensoren des Huawei P9 sind nur 1.25 μm klein und erweitern dadurch den Bereich der Schärfentiefe weiter. Das Verhältnis von Schärfentiefe und Brennweite zu Zerstreuungskreis bleibt dabei immer das gleiche. Das Licht, welches durch eine f2,2 Blende fällt, bleibt dagegen gleich.Oder, sehr vereinfacht ausgedrückt: je gringer die Brennweite, je kleiner der Sensor und damit die einzelnen Pixel, desto größer wird der der Tiefenschärfebereich.

Dieses optische Phänomen ist einerseits für Schnapschüsse gut, weil die Bilder immer von vorn bis hinten scharf sind. Für die kreative Bildgestaltung, die davon profitieren kann, dass gewisse Bildelemente durch die Schärfe von unscharfen hervorgehoben werden, kann das dagegen hinderlich sein. Huawei bedient sich nun der beiden vorhandenen Sensoren, zusammen mit der Kamera-App wird getrickst. So kann die Schärfeebene elektronisch von f0,9 aufwärts eingestellt werden, sogar noch nach der Aufnahme. Die Unschärfe um das scharf zu stellende Objekt ist variabel. Die unscharfen Elemente auf dem Foto werden Bokeh genannt und bei DSLRs durch die Güte des Objektivs bestimmt. Sie haben ihren ganz besonderen Charakter, den eine Elektronik wie beim Huawei P9 zwar gut nachbilden kann, der Fachmann wird jedoch immer das "gefälschte" Bokeh erkennen.

Screenshot 2016 05 18 17 32 14

Screenshot 2016 05 18 17 32 50

IMG 20160518 173046 1

Das funktioniert live bei der Aufnahme oder bequem als Nachbearbeitung bei gleichem Schema.

 

400 3 800 3

400 ISO                                               800 ISO

Durch einen Klick aufs Bild gelangt ihr zur nativen Bilddatei mit allen Exifs

400 100 4 800 100 4

100% Pixelebene, nur auf das Korn achten!

 

Diese im Pro-Modus geschossenen Fotos zeigen bei 100% Betrachtung: erst ab 800 ISO nutzt die Kamera-App das unterlegte Schwarz-Weiß-Bild zur Rauschminderung. Hier dürfte Huawei ruhig mit einem Firmwareupdate die Grenze auf 400 ISO schieben, dann wäre das ansonsten gute Rauschverhalten hervorragend, selbst im Automatik-Modus. Auffallend ist das Rauschen lediglich im Chroma-Modus, das besonders störende Frabrauschen hält sich dezent zurück. Huawei verzichtet auf die sonst bei Smartphones übliche starke Rauschbearbeitung, die dann zwar glatt ausschaut, aber auf Details verzichten muss. Das leichte Korn wird dabei in Kauf genommen.

Ein weiterer Vorteil der Kamera-Doppelbestückung ist die Möglichkeit, native Schwarz-Weiß-Bilder zu machen. Die können ihren ganz eigenen Reiz haben.

IMG 20160519 162253kl

IMG 20160519 163253kl

 

 

Nun aber zu den Schnappschüssen im Automatik-Modus, einfach drauf los, wie es sich für ein Smartphone gehört.

IMG 20160519 161215kl

Immer wieder gern im Fokus: die Pusteblume. Die Fokusgrenze liegt recht nah bei circa 3-4 cm.

IMG 20160519 164027kl

IMG 20160519 164046klk

Die Farben sind bei neutraler Stellung absolut naturgetreu.

IMG 20160422 061258kl

Für die Darstellung der Schärfe muss als erstes wieder der Kater herhalten.

IMG 20160426 170608kl

Aber was nah wunderbar funktioniert, muss bei Panoramen in Unendlich nicht unbedingt genauso scharf sein, das lehren Erfahrungen mit Smartphones in der Vergangenheit.

IMG 20160519 162522kl

Wenn ihr mit einem Klick auf das native Foto schaut, gönnt euch die 100%-Ansicht vor allem der Randbereiche. Für ein Smartphone absolut beeindruckend.

IMG 20160519 162655kl

IMG 20160519 162024kl

IMG 20160503 152318kl

 

IMG 20160518 133953kl

Also gibt es absolut nichts zu meckern an den Fotoeigenschaften? Doch, wir haben etwas gefunden. Es ist uns zwar  einleuchtend, dass ein OIS mit einer Doppellinse schlecht realisierbar ist. Dann sollte der Automatikmodus allerdings längere Belichtungszeiten als 1/60 Sekunde meiden wie der Teufel das Weihwasser. Die App lässt aktuell gern langsamere Belichtungen zu.  Trotz elektronischer Stabilisierung wird das Foto dann zu leicht unscharf. Alle Fotos bis auf die Lichtmalerei auf dieser Seite sind übrigens frei aus der Hand ohne Stativ aufgenommen. Dann wäre da noch das Problem bei Low-Light. Die Ergebnisse sind gut, vor allem ab 800 ISO. Nach unserem Geschmack sollte das Schwarz-Weiß-Bild bereits ab 300 oder 400 ISO unterlegt werden, dann wären die Lowlight-Eigenschaften nicht nur gut, sondern überragend. Die Beurteilung des Autofokus ist beim Huawei P9 nicht ganz so einfach. Aus der Hüfte verfehlt der AF kaum einmal sein Ziel, aber wenn das Licht nachlässt, liegt der PDAF schon mal leicht daneben. Dann reicht allerdings ein Tipp auf die zu fokusierende Stelle im Bild und es wird wieder alles scharf.

Ansonsten macht die Kameara einen wirklich überzeugenden Job, die Schärfe ist überragend und die Kamera-App Spitze.

Videos waren bislang nicht so sehr das Steckenpferd bei Huawei-Smartphones. Das hat sich nun mit dem Huawei P9 geändert. Im 1080p/60Hz-Modus wird anständig nachfokusiert, die Videos werden knackscharf. Allerdings sollte Huawei bei einem Flaggschiff 4K-Video anbieten, die Konkurrenz ist da einen kleinen Schritt voraus. 

 

 

 

 

 


Huawei-Info-Fazit

Das Huawei P9 legt durchweg eine sehr überzeugende Vorstellung hin. Die Verarbeitung ist überaus wertig, die Materialen vom Feinsten. Funktional ist dank der pfeilschnellen Kirin 955 SoC alles absolut flüssig und schnell, ohne jeh auch nur die Spur von Geschwindigkeitsgrenzen zu erfahren. Mit Android 6.0 Marshmallow ist das Betriebssystem aktuell, der EMUI-Aufsatz in der Version 4.1 ebenfalls. Einen leichten Nachgeschmack hinterlassen einige komplizierte Einstellungen, aber die werden in der Regel nur einmal benötigt. Uns fehlen ein paar Austattungsdetails wie eine QI-Ladung oder aber eine höhere Display-Auflösung für Virtual Reality. Der Akku zeigt Ausdauer, allerdings verstehen wir nicht, warum Huawei den Schnelllader nicht beilegt.

Die Leica-Kamera ist eine Klasse für sich. Wie unsere Versuche zeigen, wird sie ihrem vorauseilenden Ruf als Schärfemoster mehr als gerecht, das Doppel-Kamera-Konzept geht bei Lowlight ebenfalls auf.

Alles in allem ist das Huawei P9 ein gelungener Nachfolger des Huawei P8, das sogar zu einem gegenüber der Konkurrenz mehr als fairem Preis.

 

Offizielles Datenblatt Huawei P9

PDF 739 KB

Noch mehr Input?

Der Huawei P9-Test bei Huawei-Check

Diskussion zum Huawei P9 auf Android-Hilfe

 

 © Huawei-Info
alle nicht anders gekennzeichneten Fotos © Huawei-Info

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentare   

Domenic
#31 Domenic 2017-11-06 20:28
Hello to every body, it’s my first visit of this web site; this web site
includes amazing and actually excellent stuff
designed for visitors.

Also visit my site :: Rennsteig (Domenic: http://www.achsoo.de/)
Zitieren
künstliches auge
#32 künstliches auge 2017-11-08 15:54
Piece of writing writing is also a fun, if you be acquainted with
after that you can write if not it is complex to write.
Zitieren
JarrodSmall
#33 JarrodSmall 2018-01-14 09:52
I have checked your website and i've found some duplicate content, that's why you don't
rank high in google, but there is a tool that can help you to create 100% unique content, search for: Boorfe's tips unlimited content
Zitieren
NellChief
#34 NellChief 2018-03-29 08:46
I have checked your blog and i have found some duplicate content, that's
why you don't rank high in google, but there is a
tool that can help you to create 100% unique content, search for: boorfe's tips unlimited
content
Zitieren
LeliaBold
#35 LeliaBold 2018-05-20 11:01
I have checked your website and i've found some duplicate content,
that's why you don't rank high in google, but there is a tool that can help you to create 100% unique
articles, search for; SSundee advices unlimited content for
your blog
Zitieren
make money
#36 make money 2018-05-21 10:52
An intriguing discussion is worth comment.
I believe that you ought to publish more on this topic, it may
not be a taboo matter but usually people don't talk about these topics.
To the next! Many thanks!!
Zitieren
free unblocked games
#37 free unblocked games 2018-05-21 20:28
I was curious if you ever considered changing the layout of your blog?
Its very well written; I love what youve got to say.
But maybe you could a little more in the way of
content so people could connect with it better. Youve got an awful lot of text for
only having 1 or 2 images. Maybe you could space it
out better?
Zitieren
good cologne for men
#38 good cologne for men 2018-05-22 08:16
Pretty! This has been an extremely wonderful post.
Thanks for supplying this information.
Zitieren
unblocked game sites
#39 unblocked game sites 2018-06-12 01:53
Great blog here! Also your website lots up fast! What host are you the usage of?

Can I get your associate hyperlink to your host? I want my site loaded up as quickly as yours
lol
Zitieren
Press Forskolin
#40 Press Forskolin 2018-06-14 19:34
I happen to be commenting to let you be aware of what a incredible encounter my girl went through going through yuor web blog.
She came to understand lots of things, not to mention how it is like to possess a marvelous coaching heart
to make other individuals clearly learn about certain tortuous things.

You undoubtedly did more than readers' expectations.
Many thanks for churning out such effective, trustworthy, informative
as well as cool tips on the topic to Lizeth.
Zitieren

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

   

hi2

   
© Huawei-Info